Zum Inhalt springen
Kaufpreisaufteilung Online

Kaufpreisaufteilung berechnen — nach der Methode der BMF-Arbeitshilfe

Der Rechner teilt Ihren Kaufpreis auf Grund und Boden und Gebäude auf — mit dem Sach- oder Ertragswertverfahren der amtlichen Arbeitshilfe, mit der auch das Finanzamt eine erklärte Aufteilung gegenrechnet. Vorbelegt ist das Rechenbeispiel aus der Anleitung des Bundesfinanzministeriums. Jeder Zwischenschritt steht mit Fundstelle im Rechenweg.

Ihre Angaben

Keller, Erdgeschoss und ausgebautes Dachgeschoss (NHK 1.01)

Einschließlich Nebenkosten.

Beurkundung, nicht Übergabe.

Grundstück

Der Richtwert zum Stichtag Ihres Kaufvertrags, kostenlos aus dem BORIS-Portal Ihres Bundeslandes.

Weitere Angaben

Für selbstständig nutzbare Teilflächen nach § 41 ImmoWertV oder Hinterland mit eigenem Wert.

Beide vom örtlichen Gutachterausschuss. Ohne Angabe jeweils 1,00.

ermitteln

Hinterlegt sind die Jahre 2010 bis 2025 (Basis 2010 = 100).

Nur für die Anzeige der Steuerwirkung.

Bei einem Kaufpreis von 550.000 € entfallen nach der Methode der BMF-Arbeitshilfe 75,51 % (415.305 €) auf das Gebäude und 24,49 % (134.695 €) auf den Grund und Boden. Abschreibbar ist nur der Gebäudeanteil.

Gebäude — abschreibbar Grund und Boden — nicht abschreibbar
Aufteilung des Kaufpreises
Grund und Boden 134.695 € 24,49 %
Gebäude 415.305 € 75,51 %
Abschreibung pro Jahr 2,0 % nach § 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b EStG 8.306 € über 50 Jahre
Steuerwirkung pro Jahr bei 42 % Grenzsteuersatz 3.489 €

Was zehn Prozentpunkte mehr Gebäudeanteil bedeuten

Läge der Gebäudeanteil bei 85,51 % statt 75,51 %, wären das 1.100 € mehr Abschreibung im Jahr und damit 462 € weniger Steuer — über die 50 Jahre der Abschreibung 23.100 € weniger Steuer.

Wie hoch der Anteil in Ihrem Fall ausfällt, entscheidet die Wertermittlung — nicht diese Rechnung und nicht der Wunsch. Genau dafür gibt es das Gutachten.

Rechenweg nach der Sachwertmethode
Zwischenschritte der Berechnung
Schritt Ergebnis
1. Bodenwert 137.600 €
2. Kostenkennwert NHK 2010 835,00 €/m² BGF
3. Umrechnung auf Wohnfläche 1.920 €/m²
4. Außenanlagen 1.978 €/m²
5. Baupreisindex 3.740 €/m²
6. Regionalfaktor 3.740 €/m²
7. Alterswertminderung 2.665 €/m²
8. Gebäudesachwert 373.100 €
9. Marktangepasster Sachwert 561.770 €
10. Wertanteil der baulichen Anlagen 424.170 €

Das Ergebnis ist eine unverbindliche Orientierung nach der typisierten Methode der BMF-Arbeitshilfe. Es ersetzt weder ein Gutachten noch eine steuerliche Beratung.

Ergebnis belastbar machen

Diese Rechnung ist eine Orientierung für Sie — kein Nachweis für das Finanzamt. Wenn die Aufteilung Bestand haben soll, braucht es eine begründete Wertermittlung, die Lage, Zuschnitt, Ausstattung und Modernisierungen tatsächlich würdigt.

Gutachten beauftragen

So rechnet dieser Rechner

Grund und Boden und Gebäude werden getrennt bewertet, und der Kaufpreis wird dann im Verhältnis dieser beiden Werte aufgeteilt. So verlangt es der Bundesfinanzhof seit dem Jahr 2000 (IX R 86/97), und so rechnet die Arbeitshilfe des Bundesfinanzministeriums. Welches Verfahren den Gebäudewert liefert, hängt an der Grundstücksart:

Grundstücksart Verfahren Gebäudewert aus
Ein- und Zweifamilienhaus, Doppel- und Reihenhaus, Eigentumswohnung Sachwertverfahren (§§ 35 ff. ImmoWertV) Herstellungskosten, Baupreisindex, Alter
Mehrfamilienhaus, gemischt genutztes Haus — sobald Sie die Miete eintragen Ertragswertverfahren (§§ 28, 34 ImmoWertV) Nettokaltmiete, Bewirtschaftungskosten, Restnutzungsdauer

Schritt 1: Bodenwert

Grundstücksfläche mal Bodenrichtwert zum Tag des Kaufvertrags (§ 196 Abs. 1 BauGB). Bei einer Eigentumswohnung zählt nur der Miteigentumsanteil aus der Teilungserklärung, etwa 70/1000. Eine selbstständig nutzbare Teilfläche oder Hinterland lässt sich mit eigenem Quadratmeterwert erfassen.

Schritt 2: Gebäudewert

Im Sachwertverfahren geht die Rechnung von den Normalherstellungskosten 2010 je Quadratmeter aus (Anlage 4 ImmoWertV), schlägt die Außenanlagen pauschal zu, schreibt den Wert über den Baupreisindex des Statistischen Bundesamts auf das Kaufjahr fort und zieht die Alterswertminderung ab. Bodenwert und Gebäudesachwert ergeben zusammen den Sachwert, den der Sachwertfaktor an den Markt anpasst.

Im Ertragswertverfahren wird aus der Jahresnettokaltmiete nach Abzug der Bewirtschaftungskosten der Reinertrag. Davon geht die Verzinsung des Bodenwerts ab; der Rest ist der Ertrag des Gebäudes, der über die Restnutzungsdauer mit dem Barwertfaktor kapitalisiert wird (§ 34 Abs. 2 ImmoWertV).

Schritt 3: Aufteilung des Kaufpreises

Aus Bodenwert und Gesamtwert entsteht die Quote, und mit ihr wird Ihr Kaufpreis verteilt. Liegt der Kaufpreis über dem errechneten Wert, steigt der Bodenanteil in Euro also mit — er wird nicht allein dem Gebäude zugeschlagen. Wie in den Rechenbeispielen der amtlichen Anleitung wird die Bodenquote auf zwei Nachkommastellen abgeschnitten, nicht gerundet — nur so kommt der Rechner auf dieselben Beträge wie die Beispiele des Bundesfinanzministeriums.

Welcher AfA-Satz gilt

Abschreiben lässt sich nur der Gebäudeanteil. Der Satz hängt am Fertigstellungsjahr des Gebäudes. Für zu Wohnzwecken vermietete Gebäude gilt nach § 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStG:

Fertigstellung AfA-Satz Dauer
ab 1. Januar 2023 3,0 % 33⅓ Jahre
1. Januar 1925 bis 31. Dezember 2022 2,0 % 50 Jahre
vor dem 1. Januar 1925 2,5 % 40 Jahre

Was ein anderer Gebäudeanteil in Euro und über die Jahre bedeutet, zeigt der AfA-Rechner.

Fünf Grenzen der typisierten Rechnung

  1. Objektspezifische Merkmale fehlen. Baumängel, Instandhaltungsrückstau, Denkmalschutz, Erbbaurecht oder Belastungen in Abteilung II des Grundbuchs bleiben nach der Anleitung unberücksichtigt (§ 8 Abs. 3 ImmoWertV). Gerechnet wird ein Normobjekt.
  2. Regional- und Sachwertfaktor stehen auf 1,0, solange Sie keine Werte des örtlichen Gutachterausschusses eintragen. Den fehlenden Regionalisierungsfaktor hat der BFH als Schwäche der Arbeitshilfe benannt (IX R 26/19).
  3. Kein Vergleichswertverfahren. Für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser wäre es nach § 6 Abs. 1 ImmoWertV naheliegend, braucht aber Vergleichsfaktoren des Gutachterausschusses, die kein Online-Rechner kennt.
  4. Die Kostenkennwerte stammen aus 2010 und sind bundesweite Durchschnitte, die über den Baupreisindex fortgeschrieben werden. Ein regionales Baukostenniveau steckt nicht darin.
  5. Das Ergebnis ist widerlegbar. Die Arbeitshilfe bindet weder Sie noch das Finanzamt oder das Gericht; bei Zweifeln ist ein Sachverständigengutachten einzuholen (BFH, IX R 26/19). Mehr dazu auf der Seite zur BMF-Arbeitshilfe und im Überblick zur Rechtsprechung.

Wo Sie den Bodenrichtwert finden

Bodenrichtwerte veröffentlichen die Gutachterausschüsse der Länder, meist kostenlos über das jeweilige BORIS-Portal. Wichtig ist der Stichtag: Maßgeblich ist der Wert zum Zeitpunkt Ihres Kaufs, nicht der heutige. Liegt Ihr Grundstück am Rand einer Richtwertzone oder weicht es in Zuschnitt, Erschließung oder baulicher Ausnutzbarkeit vom Zonenmerkmal ab, ist der Richtwert anzupassen — das ist einer der häufigsten Gründe, warum eine pauschale Rechnung zu hohe Bodenwerte liefert. Bei einer Eigentumswohnung rechnet der Grundstücksanteil-Rechner den Anteil am Grundstück aus, bei einem modernisierten Altbau der Restnutzungsdauer-Rechner das fiktive Baujahr.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Anteil von Grund und Boden am Kaufpreis?

In zwei getrennten Schritten. Zuerst der Bodenwert: Grundstücksfläche mal Bodenrichtwert zum Tag des Kaufvertrags (§ 196 Abs. 1 BauGB), bei einer Eigentumswohnung nur der Miteigentumsanteil laut Teilungserklärung. Dann der Gebäudewert, unabhängig davon über das Sach- oder Ertragswertverfahren. Der Kaufpreis wird anschließend im Verhältnis der beiden Werte aufgeteilt (BFH, IX R 86/97). Der Anteil von Grund und Boden ist also Bodenwert geteilt durch die Summe aus Boden- und Gebäudewert — nicht Bodenwert geteilt durch den Kaufpreis.

Wie teilt das Finanzamt Grund und Boden und Gebäude auf?

Steht im Kaufvertrag eine Aufteilung, ist sie grundsätzlich zu übernehmen — es sei denn, sie ist nur zum Schein getroffen oder verfehlt die realen Wertverhältnisse in grundsätzlicher Weise und ist wirtschaftlich nicht haltbar (BFH, IX R 12/14). Zur Prüfung rechnet das Finanzamt mit der BMF-Arbeitshilfe gegen, also mit genau der Methode, die dieser Rechner nachbildet. Gebunden ist dabei niemand: Der BFH hat die Arbeitshilfe für nicht bindend erklärt und verweist bei Zweifeln auf ein Sachverständigengutachten (IX R 26/19).

Warum nicht einfach Kaufpreis minus Bodenwert?

Weil diese Restwertmethode steuerlich unzulässig ist. Der BFH verlangt, Boden- und Gebäudewert getrennt zu ermitteln und den Kaufpreis im Verhältnis dieser Werte aufzuteilen (IX R 86/97). Die Restwertmethode schlägt dem Gebäude alles zu, was über dem Bodenwert liegt, auch einen Aufschlag für Lage oder Marktlage, der genauso auf den Boden entfällt.

Gehören Grunderwerbsteuer, Notar und Makler in den Kaufpreis?

Ja. Die Anleitung zur Arbeitshilfe sieht in Ziffer 4 den Kaufpreis einschließlich der Anschaffungsnebenkosten vor. Die Nebenkosten werden im selben Verhältnis aufgeteilt wie der Kaufpreis selbst; nur der Teil, der auf das Gebäude entfällt, geht in die AfA.

Kann ich das Ergebnis in die Steuererklärung übernehmen?

Als Orientierung, nicht als Nachweis. Das Ergebnis entspricht der typisierten Rechnung der Arbeitshilfe und erbt deren Grenzen: Bauschäden, Instandhaltungsrückstau oder örtliche Marktfaktoren kennt es nicht (§ 8 Abs. 3 ImmoWertV). Wenn eine höhere Gebäudequote Bestand haben soll, braucht es eine begründete Wertermittlung.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Arbeitshilfe zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises für ein bebautes Grundstück — BMF, Arbeitshilfe Stand März 2026, Anleitung Stand Februar 2026 Fundstelle
  • BFH, Urteil vom 10.10.2000, IX R 86/97 — BStBl II 2001, 183 — Aufteilung nach dem Verhältnis der Verkehrswerte, keine Restwertmethode
  • BFH, Urteil vom 16.09.2015, IX R 12/14 — vertragliche Aufteilung ist grundsätzlich zu beachten
  • BFH, Urteil vom 21.07.2020, IX R 26/19 — Arbeitshilfe nicht bindend; Gutachten einzuholen Fundstelle
  • § 7 Abs. 4 EStG — AfA-Sätze für Gebäude Fundstelle
  • § 196 Abs. 1 BauGB — Bodenrichtwert Fundstelle
  • § 6 Abs. 1 ImmoWertV — Wahl des Wertermittlungsverfahrens Fundstelle
  • § 8 Abs. 3 ImmoWertV — besondere objektspezifische Grundstücksmerkmale Fundstelle
  • §§ 28, 34 ImmoWertV — Ertragswertverfahren, Barwertfaktor Fundstelle
  • §§ 35 f. ImmoWertV, Anlage 4 ImmoWertV — Sachwertverfahren, Regionalfaktor, Normalherstellungskosten 2010 Fundstelle
Gutachten beauftragen